Fastnacht bei BINDER

Februar 2015 BINDER Mitarbeiter in Fasnachtskostümen

Wildes Brauchtum  - Die schwäbisch-alemannische Fastnacht

Im Februar befand sich Tuttlingen im Ausnahmezustand, denn die fünfte Jahreszeit - Fastnacht – wurde wieder gefeiert. Gerade in Süddeutschland blickt das närrische Treiben auf eine Jahrhunderte lange Entwicklungsgeschichte und Tradition zurück. Die Umzüge der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gehören zu den ursprünglichsten, wildesten und zugleich authentischsten Gebräuchen der Fastnachtszeit. Daher wurde die schwäbisch-alemannische Fastnacht auch im Dezember 2014 in das Bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

 

Ursprünge der Fastnacht

Die Ursprünge der Fastnacht gehen bis ins Mittelalter zurück; sie wird bereits im 13. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Die schwäbisch-alemannische Fastnacht hat ihren Ausgangspunkt im christlichen Jahreslauf, wo sie das Fest vor dem Anbruch der vierzigtägigen Fastenzeit vor Ostern bildete. Diese beginnt am Mittwoch nach Fastnacht, dem sogenannten Aschermittwoch.

 

In der sechswöchigen Fastenzeit war unter Androhung empfindlicher Strafen der Genuss von Fleisch sowie von tierischen Produkten wie Schmalz, Fett, Milch, Butter, Käse und Eier verboten. Dies hatte für die letzten Tage vor der Fastenzeit zur Folge, dass nochmals in großen Mengen Fleisch verzehrt wurde. Zudem suchte man nach Wegen, die verderblichen Vorräte aufzubrauchen. Dies geschah in Form von Festen und war die Geburtsstunde der Fastnacht. Aus der Notwendigkeit solcher Resteverwertung entstanden im 13. Jahrhundert unter anderem die traditionell schmalzgebackenen Fastnachtsküchlein, die gewöhnlich kurz vor Fastnachtsbeginn, am sogenannten „fetten (süddeutsch „schmotzigen“) Donnerstag“, hergestellt wurden.

 

 

Ausbruch aus dem Alltag

Ergänzend zum exzessiven Nahrungsmittelkonsum wurden ab dem 14. Jahrhundert Bräuche wie Tänze, Umzüge oder Fastnachtsspiele üblich. Das kam den Bedürfnissen der Beteiligten wiederum sehr entgegen. Die Fastenzeit forderte die Abkehr vom Fleisch im zweifachen Sinn: zum einen eben der Verzicht auf entsprechende Speisen und zum anderen die nicht minder konsequente Standhaftigkeit gegenüber allen sonstigen Verlockungen des Fleisches, sexuelle Entsagung also. Dadurch wurden die tollen Tage erst recht zum Ventil. Um sich in der Fastenzeit nicht zu versündigen, legten viele junge Paare ihre Hochzeitsnacht eigens noch in die Fastnacht, wodurch diese zu einem der beliebtesten Heiratstermine im Jahr wurde.

 

 

Charakteristika

Charakteristisch für schwäbisch-alemannische Fastnacht sind: Vermummung, also Masken, Larven oder Schemen, die meist aus Holz bestehen. Die Masken sind sehr vielfältig – von der Tiergestalt, über Hexenmasken bis zum glatten Gesicht. Die Kostümträger wechseln ihr Kostüm (Häs) nicht von Jahr zu Jahr. Oftmals wird es von Generation zu Generation weitervererbt. Ebenso werden Glocken, Schellen, Rollen und auch Schweinsblasen, Narrenwurst, Schnupfdose, Peitsche, Spiegel, Säbel etc. getragen. Auch gibt es spezielle Narrenrufe, mit denen sich die Feiernden begrüßen. Diese sind sehr individuell und unterscheiden sich von Ort zu Ort.

 

 

Rezept-Tipp: Fastnachtsküchlein >